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06.04.2021

Impfzentrum für einen Tag in Rheinberg

Von Uwe Plien, 01.04.21

In der Einrichtung der Caritas Wohn- und Werkstätten in Rheinberg sind am Mittwoch insgesamt 330 Menschen geimpft worden – behinderte Beschäftigte und deren Betreuer. Alles lief wie am Schnürchen.

Gute Vorbereitung ist alles. Was das angeht, haben der technische Leiter Michael Zimmer, Bettina Lamers aus dem Betriebsbüro und Yvonne Evers vom Sozialen Dienst ganze Arbeit geleistet. Sie haben dafür gesorgt, dass sich die Werkstatt der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN) am Nordring in Rheinberg für einen Tag in ein Impfzentrum verwandelt. Rund 330 beschäftigte Mitarbeiter (das sind Menschen mit überwiegend geistigen Behinderungen) und angestellte Mitarbeiter (das sind Betreuer, Gruppenleiter etc.) werden am Mittwoch in der Einrichtung erstmals geimpft. Und die Aktion läuft wie am Schnürchen, von mittags bis zum frühen Abend. Rund 60 Frauen und Männer bekommen pro Stunde ihre Spritze gegen Corona.

„Moderna“, sagt CWWN-Geschäftsführer Wolfram Teschner und man kann förmlich spüren, wie er beim Aussprechen des Wortes erleichtert aufatmet, so als wollte er sagen: „Zum Glück kein Astrazeneca“. Teschner: „Die Diskussion um den Impfstoff bleibt uns zum Glück erspart.“ Astrazeneca war in die Schlagzeilen geraten und wird jetzt nur noch Menschen geimpft, die über 60 Jahre alt sind.

Das Vakzin sei schon morgens um 6 Uhr angeliefert worden. „Das war wie bei einem Goldtransport“, sagt der Geschäftsführer. Alles streng bewacht.“ Eine Spedition brachte den in Spezialboxen aufbewahrten Impfstoff, zwei zuvor autorisierte Mitarbeiter der Caritas nahmen die Ware in Empfang und verstauten sie in einen Kühlschrank.

Gegen 13 Uhr rollen die ersten Busse an, bald schon reiht sich auf der Straße Fahrzeug an Fahrzeug. Überwiegend kommen in der Rheinberger Einrichtung tätige Mitarbeiter, um sich den ersten Pikser abzuholen. In den Werkstätten in Rheinhausen und Moers gab es bereits Impftage, in Rheinberg kommen auch Mitarbeiter und Bewohner aus verschiedenen Caritas-Wohneinrichtungen wie dem Haus am Außenwall in Rheinberg, aus dem ambulanten und dem familienunterstützenden Dienst zum Zuge. „Wenn wir die Aktion in Rheinberg abgeschlossen haben, sind etwa 2100 unserer Leute geimpft. Das entspricht einer Quote von 95 Prozent“, unterstreicht Yvonne Evers vom Sozialen Dienst.

Am Nordring herrscht am Mittwoch Einbahnstraßenverkehr. An der Warenannahme ist eine Gasse aus Stühlen und rot-weißen Pöllern Richtung Rolltor vorbereitet. Im Lagerraum dann der erste Schalter: Hier werden die Impflinge registriert, anschließend kommen sie in den Wartebereich – ein leer geräumter Produktionsraum. „Und, schon aufgeregt?“, ruft Wolfram Teschner den etwa 50 Wartenden freundlich entgegen. Ein lautes „Ja“ schallt zurück.

Die Mitarbeiter werden der Reihe nach aufgerufen. Auch Elke Peiskers Name fällt. Paul Schnürer, Gruppenleiter in der Metall-Werkstatt, wo auch die 54-Jährige arbeitet, schiebt sie in ihrem Rollstuhl in den nächsten Raum. Auf dem Weg dorthin nimmt Schnürer die vorbereiteten Unterlagen von Yvonne Evers in Empfang.

Nach einer weiteren Wartezeit geht es in eine von drei Impfkabinen. Dort hält Ärztin Maria Retz, üblicherweise im Impfzentrum in Duisburg beschäftigt, die Spritze schon bereit. Peisker freut sich schon auf die Impfung. Während Retz den Ärmel der Bluse hochschiebt und die Nadel gekonnt im Oberarm platziert, streckt die geistig behinderte Mitarbeiterin den rechten Arm hoch und macht mit den Fingern ein Victory-Zeichen.

Nun geht es in einen der beiden Ruhebereiche, wo alle Geimpften noch eine Weile bleiben müssen. Dann ist das Ende der Einbahnstraße erreicht. Auf dem Weg zu den Bussen passieren alle Besucher des provisorischen Impfzentrums ein Schild. Darauf steht: „Geschafft! Wir wünschen eine gute Heimfahrt“.

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